Keine Hochzeit in der Entwässerungsbranche: Das Bundeskartellamt hat der Aco-Gruppe die geplante Übernahme des Wettbewerbers Birco untersagt. Dadurch werde eine „marktbeherrschende Stellung im Bereich von Entwässerungsrinnen“ abgewendet.
Aco sei „bereits heute der führende Anbieter von Entwässerungsrinnen in Deutschland. Durch die Übernahme von Birco, der Nummer Drei des Marktes, würde das Unternehmen fast die Hälfte des Marktumsatzes auf sich vereinen. Für die Nachfrager, etwa beim privaten Hausbau, aber auch aus Gewerbe, Industrie und öffentlicher Hand, würde eine wichtige Ausweichalternative wegfallen“, kommentiert Kartellamts-Chef Andreas Mundt die Entscheidung der Behörde. „Zudem hätten es die deutlich kleineren Wettbewerber nach dem Zusammenschluss noch schwerer, bei Ausschreibungen berücksichtigt oder im Baustoffhandel auf Lager genommen zu werden. Unser Einschreiten stellt sicher, dass die Anbieter auch künftig im Wettbewerb nicht nachlassen können, zum Beispiel bei Preisen und der Qualität.“
Im Rahmen des Prüfverfahrens hat das Bundeskartellamt eigenen Angaben zufolge festgestellt, dass Nachfrager bei ihren Bauvorhaben einen gezielten Bedarf nach Linienentwässerungssystemen aufweisen und andere Systeme der Oberflächenentwässerung dann nicht als gleichwertige Alternative ansehen. Dafür ausschlaggebend seien zumeist technische Gründe, wirtschaftliche Gründe oder gestalterische Erwägungen. Daher habe die Behörde keinen „Gesamtmarkt Oberflächenentwässerung“ angenommen, sondern halte die gesonderte Betrachtung des Marktes für Linienentwässerung für sachgerecht.
Das Marktvolumen im Bereich der Linienentwässerung in Deutschland betrug im Jahr 2020 fast 200 Millionen Euro. Aco und Birco erreichen nach Berechnungen der Kartellbehörde gemeinsame Marktanteile von 45 bis 50 Prozent und würden damit eine marktbeherrschende Stellung einnehmen. Als zusammengeschlossene Einheit wären beide zusammen fast dreimal so groß wie die Nummer Zwei des Marktes, Hauraton. Durch Bündelung ihrer Kräfte würden Aco und Birco einen im Vergleich zur Konkurrenz „überragenden Zugang“ zu ausschreibenden Stellen und Baustoffhändlern erlangen.
Beschluss noch nicht rechtskräftig
Die Unternehmen hatten im vergangenen Juli bekanntgegeben, sich zusammenschließen zu wollen. Birco-Chef Frank Wagner bedauert „die Entscheidung des Bundeskartellamts sehr, es ändert aber nichts an der bedeutenden Marktstellung von Birco. Auch wenn Aco nicht der gewünschte strategische Partner wird, blicken wir nach einem erneut sehr erfolgreichen Geschäftsjahr 2021 auch weiterhin zuversichtlich in die Zukunft und bleiben der gewohnt zuverlässige Partner am Markt.“
Aco-Chef Thomas Bendixen will „die Beschlussfassung in den kommenden Wochen sorgfältig prüfen und danach über das weitere Vorgehen entscheiden“. Der Beschluss des Bundeskartellamtes ist noch nicht rechtskräftig. Über eine mögliche Beschwerde dagegen müsste das Oberlandesgericht Düsseldorf entscheiden.
