Das jeweils am ersten Montag eines Monats erscheinende HDE-Konsumbarometer basiert auf einer monatlichen Umfrage unter 1.600 Personen zur Anschaffungsneigung, Sparneigung, finanziellen Situation und zu anderen konsumrelevanten Faktoren. (Quelle: HDE)

Handel 2022-10-04T08:00:11.514Z Konsumbarometer: Verbraucherstimmung weiter im Sinkflug

Das Konsumbarometer des Handelsverbandes Deutschland (HDE) geht den dritten Monat in Folge zurück und erreicht erneut ein Allzeittief. Der Index befindet sich damit in einem Abwärtstrend, der nach der Verlangsamung im Sommer nun in den Herbstmonaten an Fahrt gewinnt.

Es sei zu erwarten, so der HDE, dass sich der Pessimismus der Verbraucher in den nächsten Monaten negativ auf den privaten Konsum auswirken wird. Denn steigende Lebenshaltungskosten und hohe Energiekosten dämpfen die Konsumlaune der Verbraucher erheblich. Ihre Anschaffungsneigung fällt nach Angaben des Verbandes auf einen neuen Allzeit-Tiefststand. Die Konsumzurückhaltung dürfte demnach in den bevorstehenden Wochen und Monaten zunehmen, so die Prognose. Statt allerdings mit einer verstärkten Sparaktivität zu reagieren, nehmen Verbraucher auch vom Sparen Abstand, teilt der HDE mit. Zurückzuführen sei diese Entwicklung auf die angesichts der hohen Inflation sinkenden Einkommenserwartungen. In der Folge verringere sich der finanzielle Spielraum sowohl für Konsumausgaben als auch zum Sparen.

Entspannung ist nicht in Sicht

Obwohl sich am Arbeitsmarkt bislang keine Eintrübung abzeichnet, blicken Verbraucher pessimistisch auf die Entwicklung ihres verfügbaren Einkommens. Auch ihre Konjunkturerwartungen verschlechtern sich weiter und spiegeln die aktuellen Konjunkturprognosen wider. In den nächsten Monaten rechnen Verbraucher nach Angaben des HDE zudem mit zunehmenden Preissteigerungen, während sie Zinssteigerungen für weniger wahrscheinlich halten. Eine Entspannung ihrer wirtschaftlichen Situation erwarten sie in nächster Zeit nicht, sodass Verbraucher den Konsum einschränken.

Die Konsumzurückhaltung werde daher nach Verbandsangaben auch in den nächsten Monaten anhalten. War zuvor noch von einem Verharren der Verbraucherstimmung auf niedrigem Niveau bis Frühjahr kommenden Jahres auszugehen, zeichne sich inzwischen weiteres Abwärtspotenzial ab, prognostiziert der HDE. Bis in das Frühjahr 2023 hinein werde der reale private Konsum voraussichtlich sinken, sodass er auch im nächsten Jahr unter dem Vor-Corona-Niveau liegen dürfte.

Noch sei fraglich, so der HDE, inwieweit die schlechte Stimmung auf den Einzelhandelskonsum voll durchschlagen wird. Dies werde sich in den kommenden Monaten zeigen, wenn die Verbraucher in der Breite mit hohen Nachzahlungen konfrontiert werden. Aktuell sei Geld durchaus noch vorhanden, informiert der HDE.

Negativer Trend auch im DIY-Handel zu spüren

"Der negative Trend bei der Verbraucherstimmung im HDE-Konsumbarometer ist auch im DIY-Handel deutlich zu spüren", sagt Dr. Philipp Hoog, Leiter Strategieberatung bei der BBE Handelsberatunbg GmbH, auf Nachfrage gegenüber dem BaumarktManager. Die enorm steigenden Lebenshaltungskosten kommen aus seiner Sicht immer mehr im Alltag der Konsumenten und Händler an. Dies werde verstärkt durch eine zunehmende Unsicherheit als Folge der Energiekrise und Pandemieentwicklung, so Philipp Hoog, der zugleich das Gute für die Branche hervorhebt: "Die Urlaubszeit ist nun vorbei und Verbraucher können vorhandene Ressourcen sowie ihre Freizeit wieder für eigene Projekte nutzen."

Dr. Philipp Hoog, Strategieberater, BBE
Dr. Philipp Hoog, Leiter Strategieberatung bei der BBE Handelsberatung GmbH. (Quelle: BBE Handelsberatung)

Für Unternehmen gelte es aus Sicht des Strategieberaters der sinkenden Kaufkraft und Kaufzurückhaltung strategisch und mit einem klaren Plan zu begegnen, "sodass ein 'strategisches Dilemma', wie es etwa durch den enormen Preisfokus im LEH aktuell zu beobachten ist, nicht entsteht."

Dazu zählt nach Einschätzung von Philipp Hoog auch "Zielgruppen konkret zu identifizieren und noch bedürfnisgerechter anzusprechen." Weiterhin hält der BBE-Experte es für wichtig, "konkrete Ansätze (etwa Energiesparpotenziale auf der Fläche) als Antwort zu aktuellen Kostenentwicklungen umzusetzen." Zudem sollten, so Philipp Hoog weiter, auch gemeinsam mit den Herstellern konkrete Potenziale in der Lieferkette identifiziert und nachhaltig verfolgt werden ( Logistik, Lagerhaltung, Retouren etc.).

zuletzt editiert am 04. Oktober 2022
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