Ladendieb Ladendiebstahl Kamera Überwachung Inventurdifferenz
2020 war kein gutes Jahr für Langfinger. (Quelle: Pixabay)

Handel 2021-06-29T00:00:00Z Lockdown bremst Langfinger aus

Die aktuelle EHI-Studie zu Inventurdifferenzen im deutschen Handel zeigt, dass es 2020 deutlich weniger Fälle von Ladendiebstahl gab. Keine Überraschung, denn während der Corona-Pandemie mit Lockdown-Maßnahmen waren die Geschäfte über längere Zeiträume geschlossen.

Laut EHI ist die Summe der Inventurdifferenzen, die in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen war, 2020 um 5 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro gesunken. Der darin enthaltene Verlust durch Diebstahl beträgt 3,36 Milliarden Euro, etwa 10 Prozent weniger als im Vorjahr (3,75 Milliarden Euro). Ausschlaggebend dafür dürfte sein, dass die Geschäfte im vergangenen Jahr aufgrund der Corona-Pandemie längere Zeit geschlossen waren.

Von Kunden wurden laut EHI-Daten im vergangenen Jahr Waren im Wert von 2,16 Milliarden Euro gestohlen, für 885 Millionen Euro waren eigene Mitarbeiter verantwortlich, 315 Millionen Euro Verlust gehen auf Diebstähle durch Lieferanten und Servicekräfte zurück. 840 Millionen Euro Schaden entstanden durch organisatorische Mängel, beispielsweise durch falsche Preisauszeichnungen.

„Rein statistisch gesehen wurde durch jede Person in Deutschland ein Warenwert von knapp 26 Euro pro Jahr gestohlen“, sagt EHI-Experte Frank Horst. „Sinnbildlich auf den Einkauf bezogen bedeutet dies, dass rund jeder 200. Einkaufswagen unbezahlt die Kasse passiert hat.” Dem Staat ist demnach durch den Diebstahl im Jahr 2020 ein volkswirtschaftlicher Schaden von rund 420 Millionen Euro durch die ausgefallene Mehrwertsteuer entstanden.

Die Anzahl der angezeigten Ladendiebstähle ist 2020 erneut gesunken, um 6,69 Prozent. Die einfachen Ladendiebstähle sind dabei um 6,72 Prozent auf insgesamt 283.143 Fälle (Vorjahr: 303552 Fälle) zurückgegangen. Während die einfachen Fälle in den vergangenen zehn Jahren um knapp 25 Prozent abgenommen haben, entwickelt sich die Anzahl der angezeigten schweren Ladendiebstähle längerfristig betrachtet negativ. Zwar sind sie im vergangenen Jahr um 6,17 Prozent auf 20.862 Fälle zurückgegangen, innerhalb der vergangenen zehn Jahre haben sie jedoch signifikant zugenommen: um fast 70 Prozent.

Um ihre Waren vor Langfingern zu schützen, gaben die Handelsunternehmen in Deutschland laut EHI im Corona-Jahr 2020 im Durchschnitt aller Branchen etwa 0,30 Prozent ihres Umsatzes aus, etwa 10 Prozent weniger als in den Vorjahren. Demnach steckte der Handel 1,3 Milliarden Euro in Sicherheits- und Präventionsmaßnahmen wie Artikelsicherung, Kameraüberwachung oder Detektiveinsätze. Addiert man diese Kosten mit dem gesamten Verlust durch Inventurdifferenzen, so sind dem Handel vergangenes Jahr insgesamt 5,5 Milliarden Euro (1,26 Prozent) seines Umsatzes entgangen.

zuletzt editiert am 22. Juli 2021
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