Hochregallager, Logistik, Digitalisierung
In drei von fünf Logistikunternehmen fehlen IT-Fachkräfte, so das Ergebnis des Digitalverbandes Bitkom. (Quelle: Pixabay)

Branche

20. October 2022 | Teilen auf:

Logistik: Digitalisierung als Chance, Fachkräftemangel als Hemmnis

Eine große Mehrheit der Logistikunternehmen sieht in der Digitalisierung eine Vielzahl von Vorteilen, doch es gibt zugleich eine Reihe gravierender Hemmnisse, wie eine repräsentative Befragung von mehr als 400 Logistikunternehmen in Deutschland zeigt, die vom Digitalverband Bitkom in Auftrag gegeben wurde.

So sehen neun von zehn Logistikunternehmen in Deutschland (89 Prozent) den Fachkräftemangel bzw. Mangel an Know-how als größtes Hemmnis beim Einsatz digitaler Anwendungen in der Logistik. In drei von fünf Unternehmen (62 Prozent) fehlen derzeit IT-Fachkräfte und 87 Prozent beklagen einen Mangel an Digitalkompetenz in der Belegschaft. „Die Digitalisierung ist zukunftsentscheidend für eine Branche, die uns alle mit den wichtigsten Dingen im Alltag versorgt“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. BernhardRohleder. „Damit digitale Technologien schneller und umfassender zum Einsatz kommen können, braucht es eine systematische Stärkung und gezielte Investitionen in digitales Know-how.“

Digitalisierung, Fachkräftemangel
Fachkräftemangel bremst die Digitalisierung. (Quelle: Bitkom)

64 Prozent der Logistikunternehmen fördern bereits gezielt die digitalen Kompetenzen ihrer Mitarbeiter. Eine Unternehmenskultur, die der Digitalisierung offen und positiv gegenübersteht, wird in acht von zehn Unternehmen (79 Prozent) gezielt gefördert. Sieben von zehn Unternehmen (71 Prozent) schätzen laut der Umfrage, dass sie im Jahr 2030 noch mehr IT-Fachkräfte benötigen werden als heute. Ein Fünftel (20 Prozent) geht davon aus, dass der Bedarf sich nicht verändern wird. Nur sieben Prozent meinen, dass sie zukünftig weniger IT-Fachkräfte benötigen werden. Neben IT-Fachkräften fehlen in der Logistik der Umfrage zufolge insbesondere Fahrende oder Zustellende (85 Prozent). Aber auch Disponenten (59 Prozent) und Lagerfachkräfte (55 Prozent) werden gesucht. Vertriebs- (36 Prozent) und Verwaltungsfachkräfte (32 Prozent) fehlen weniger, werden aber noch in circa jedem dritten Unternehmen gesucht.

Sorge um Verlust der Datenhoheit

Neben dem Fachkräftemangel hemmen Schwierigkeiten beim Umgang mit Daten den Digitalisierungsfortschritt in der Logistik. So wird laut der Bitkom-Erhebung die Sorge um den Verlust der eigenen Datenhoheit (52 Prozent) als großes Hemmnis für die Digitalisierung in der Logistik betrachtet. Zudem klagen 56 Prozent über die Vorschriften zum Datenschutz und 46 Prozent sehen ein Hemmnis in der unzureichenden Datenverfügbarkeit.

In der Logistik können digitale Technologien eine Vielzahl an Vorteilen entwickeln. So sehen vier von fünf Unternehmen (81 Prozent) in der Digitalisierung Verbesserungen beim Endkunden-Service und knapp zwei Drittel (64 Prozent) eine bessere Kommunikation mit Geschäftspartnern oder Kunden. Digitalisierung schaffe zudem eine höhere Transparenz in der Lieferkette (61 Prozent), verringere die Umweltbelastung (55 Prozent) und verbessere die Versorgung im ländlichen Raum (37 Prozent). Ein weiterer Vorteil sind Effizienzgewinne: So beschleunige Digitalisierung Prozesse und spare Zeit (84 Prozent) und Kosten (60 Prozent), senke die Fehler- und Ausfallanfälligkeit (44 Prozent) und sorge für einen geringeren Bedarf an den ohnehin knappen Arbeitskräften (30 Prozent).

Digitale Technologien machen die Logistik nachhaltiger

Digitalisierung ist ein wichtiger Hebel für mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz in der Logistik. So sagen laut der Umfrage fast zwei von drei Unternehmen (64 Prozent), dass ihnen digitale Technologien helfen, die Logistik nachhaltiger zu gestalten. Über die Hälfte (52 Prozent) setzt digitale Technologien ein, um Leerfahrten zu reduzieren, weitere 30 Prozent planen dies oder diskutieren darüber. Ähnlich viele optimieren digital ihre Routenplanung (48 Prozent) oder beschäftigen sich damit (32 Prozent). Weiterhin setzt jeweils ein Viertel nachhaltige Transportmöglichkeiten ein (25 Prozent) oder nutzt emissionsfreie Kraftstoffe bzw. emissionsfreie Antriebe von Fahrzeugen (24 Prozent).

Die Zukunft der Logistik wird aus Sicht der Unternehmen auch von autonomen Fahrzeugen und Drohnen geprägt. So kann sich jedes dritte Logistikunternehmen (33 Prozent) vorstellen, dass im Jahr 2030 Waren mit Drohnen bis zum Endkunden bzw. zur Endkundin transportiert werden, so das Resultat der Umfrage.Lieferungen zwischen Unternehmen mit autonomen Transportmitteln auf Straße, Schiene, Wasser oder in der Luft sind ebenfalls für zwei von fünf Unternehmen (39 Prozent) ein wahrscheinliches Zukunftsszenario.

zuletzt editiert am 20.10.2022