Aktion „Naschgarten“, „Bienenbuffet“, „Kräuterwelt“ oder „Insektenwiese“ – so heißen beispielhaft die rund 50 unterschiedlich gestalteten Blumenkästen, die Bauhaus auf 15 über das Gelände der Bundesgartenschau 2023 (Buga) verteilten Themenstelen präsentiert. Wie kam es zu der Aktion „Blumenkasten neu gedacht“? Was will der Baumarktfilialist damit erreichen? Dazu sprach BaumarktManager mit Helmut Rödiger, Bereichsleiter Einkauf Garten bei Bauhaus.
Markus Howest
In den Städten gibt es zu viele Balkone ohne Balkonkästen – zu viel grau, zu wenig Pflanzen. Ein Gedanke, der die Aktion bei Bauhaus ins Rollen brachte. Wenn nun jedes grüne Blatt Sauerstoff erzeugt und zugleich CO2 bindet, so die entscheidende Überlegung, dann können zwei Blumenkästen an jedem Balkon einiges bewirken, um das Mikroklima einer Stadt zu verbessern. Die Idee war geboren: Zeigen, dass in einem „trivialen“ Blumenkasten deutlich mehr steckt als man denkt. Denn wer ihn bepflanzt, leistet zugleich einen wichtigen Beitrag für Umwelt und Klima. „Auf einer Buga werden zahlreiche schöne und unverwechselbare Gärten gezeigt, aber die wenigsten der Besucher setzen diese im eigenen Umfeld wirklich um“, sagt Helmut Rödiger, Bereichsleiter Einkauf Garten bei Bauhaus, im Gespräch mit BaumarktManager. Den Balkonkasten hingegen, „den kann wirklich jeder umsetzen und damit auch etwas Gutes für sich und sein Umfeld tun“, ist Rödiger überzeugt.
Naturnahes Gärtnern schon länger im Fokus
Mit der Entscheidung für die Blumenkasten-Aktion auf der Buga 23 in Mannheim, bei der Bauhaus als Aussteller und Partner fungiert, knüpft das Unternehmen an die schon seit Längerem stattfindenden Aktivitäten zum Thema Nachhaltigkeit im Garten an. „Bereits seit Jahren geben wir konkrete Handlungsempfehlungen, etwa für kleine Vorgärten oder Reihenhausgärten, und machen deutlich, was man tun kann, um mehr Natur in den Garten (zurück) zu holen“, bestätigt Rödiger. Die Bandbreite der Themen reiche vom Bienenschutz über Lebensraum für Vögel und Schmetterlinge bis hin zur Gemüseanzucht. Die regelmäßig erscheinenden Fachprospekte, die sowohl als Print- als auch Digitalfassung vorliegen, erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, beteuert der gebürtige Schwabe und hält die Cover der Hefte „Mehr Natur“, „Reiche Ernte“ und „passt“ exemplarisch in den Händen.
Aktion betont die eigene Kompetenz
Doch zur Buga greift Bauhaus die Leitthemen der Gartenschau – Umwelt, Klima, Energie und Nahrungssicherung – auf und macht sie zum Wegbereiter, um neue Impulse zu vermitteln. Auf wenigen Quadratzentimetern werden die genannten Themen umgesetzt und in all ihren inhaltlichen Facetten erlebbar gemacht. So wird etwa das Thema „Umwelt“ durch eine insektenfreundliche saisonale Bepflanzung umgesetzt, das Thema „Nahrungssicherung“ durch das Aufgreifen der Trends zum „Urban Gardening“ und zur Selbstversorgung, und das Thema „Energie“ durch klimafreundlich produzierte Blumenkästen, die mehrheitlich aus recyceltem Material stammen. „Neben der Fach- und Sachinformation dienen unsere Themenstelen auf der Buga 23 vor allem der Inspiration und als Vorlage für das eigene Zuhause“, unterstreicht der Stadtgarten-Experte. Das Konzept und die Idee des Blumenkastens sei für jedermann leicht zu realisieren und beschere „schnelle, nachhaltige und erlebbare Erfolge im persönlichen Umfeld – auf dem eigenen Balkon oder im eigenen Garten“. Und dem Baumarktbetreiber beschert es zugleich eine starke Wirkung beim Buga-Besucher. Unterstreicht doch die Aktion seine Kompetenz als Haus- und Gartenspezialist mit dem Blick für Nachhaltigkeit.
Inspiration und individuelle Nachahmung
Angesprochen werden alle Pflanzenliebhaber, die einen Balkon haben, bestimmte Altersgruppen werden nicht speziell adressiert, macht der Baumarktbetreiber deutlich. Doch zugleich dürfte das Wissen um die Tatsache, dass Gartenthemen zunehmend insbesondere auch bei Jüngeren im Trend liegen, wie das aktuelle Garten-Barometer von Stihl erst kürzlich bestätigt hat, eine nicht ganz unbedeutende Rolle im Kontext der Aktion spielen. Sind es doch gerade die Altersgruppen von 20 bis 39, die ihre eigenen Aktivitäten rund ums Gärtnern gerne auch über Social Media verbreiten und so für die Blumenkasten-Aktion einen wichtigen Resonanzkörper darstellen. Zumal das Motto „Mehr auf dem Kasten“ lautet und darin bereits die Aufforderung mitschwingt, eigene Pflanzergebnisse zu fotografieren und digital zu verlängern.
Stumme Verkäufer, Plakate und QR-Codes
Doch zunächst will der Baumarktfilialist die Lust beim Buga-Besucher wecken, und hierzu dienen die Stelen mit den Blumenkästen, die allesamt mit einem QR-Code versehen sind, sodass weiterführende Informationen zu den Eigenschaften und Anforderungen der Pflanzen für jeden sofort über das Smartphone abrufbar sind. Bepflanzungen von Kästen unter Anleitung wird es auf der Buga nicht geben. „Aus praktischen Erwägungen“, heißt es zur Begründung, womit wohl unter anderem die zu starke personelle Herausforderung gemeint sein dürfte. Apropos Personal: Wer repräsentiert eigentlich die viel gepriesene Sortimentskompetenz im Bereich Garten, wenn künftig immer weniger Fachkräfte zur Verfügung stehen? „Stumme Verkäufer, Plakate und QR-Codes“, sagt Rödiger. „Wir werden gut und clever die Möglichkeiten der Informationsverlängerung online nutzen.“ Das sei der Weg, der künftig verstärkt eingeschlagen werden muss, um das Problem des Fachkräftemangels zu kompensieren, erklärt der Einkaufschef. Der Mangel an Nachwuchskräften sei erschreckend, fügt er bedauernd hinzu.
Längste Blumenkastenkette der Welt
Auch wenn es keine Pflanzaktion vor Ort geben wird, so ist eine nicht minder organisatorisch und logistisch anspruchsvolle Aktion im Rahmen der Buga geplant. Es soll eine ununterbrochene Reihe von bepflanzten Blumenkästen auf dem Buga-Gelände aufgestellt werden, mindestens zwei Kilometer lang. Offiziell geprüft und abgenommen werde der Weltrekord durch ein zertifiziertes Rekord-Institut, informiert der Baumarktfilialist. „Die längste Balkonkastenkette der Welt“, schwärmt Rödiger und spricht zugleich von einer „riesigen Herausforderung“, wenn man allein die aufwändige Bepflanzung im Vorfeld betrachte. Doch die Wirkung der Aktion ist verlockend: Zum einen kann der Weltrekord die Aufmerksamkeit für das Thema Umwelt und Klima noch mehr steigern und so manchen wachrütteln. Zum anderen werden durch die Weltrekord-Kästen erneut die Leitmotive der Buga aufgegriffen. Denn die jeweiligen Themen der Leitmotive werden beim Aufstellen der Kästen abwechselnd gespielt, sodass ein sehr umfassendes, breites und buntes Pflanzspektrum entsteht. Doch über allem steht auch hier das Ziel des Baumarktbetreibers: Die attraktiven Bepflanzungsbeispiele sollen Lust machen, sie daheim nachzuahmen. Und wer seinen eigenen Fähigkeiten noch nicht genug traut, der kann die Kästen in einzelnen Niederlassungen erwerben, denn dorthin, so informiert das Unternehmen, werden sie überführt und zu einem Preis von je 10 Euro verkauft, inklusive Echtheitsurkunde. Der Erlös werde vollständig gespendet, voraussichtlich an eine nachhaltige Organisation im Bereich der Jugend- und Kinderbildung im Bereich Nachhaltigkeit, lässt Bauhaus wissen.
Motivation langfristig aufrecht erhalten
Wenn einmal das Feuer bei den Hobbygärtnern entfacht ist, sollte die Flamme auch künftig dauerhaft weiterbrennen. Der Baumarktbetreiber will hierzu verschiedene Maßnahmen nutzen: So etwa Kurse bzw. Workshops wie die Women Night oder den Tag der Biene, wenn Imker in die Niederlassung kommen und zeigen, wie wichtig die Bienen sind. „Die Themen müssen immer wieder gespielt werden“, weiß Rödiger um die Bedeutung der stetigen Inspiration, zum Beispiel über Instagram. „Wir werden alle uns zur Verfügung stehenden Kanäle einsetzen, auch über Social Media“, betont Rödiger, „damit die Kunden nicht die Lust verlieren und auch in Zukunft am Thema dranbleiben.“ Doch wer einmal angefangen habe zu gärtnern und seine eigenen Tomaten herangezüchtet hat, der habe in der Regel Lust auf mehr. „Warum sollte er aufhören?“ spitzt Rödiger rhetorisch zu. Sicher seien neue Impulse und Ideen notwendig, damit es nicht langweilig wird. Aber grundsätzlich stehe das Bewusstsein der Menschen für das Thema Nachhaltigkeit auf einem stabilen Fundament, glaubt der Experte. Dies könne man allein schon an den Warengruppen und ihren entsprechenden Zuwächsen ablesen, etwa bei torffreien Erden. Nachhaltigkeit sei mittlerweile etabliert und in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Vielmehr sei das Bewusstsein nun da, und auch die Handlung setze mehr und mehr ein. Dies ziehe sich durch alle Bevölkerungsschichten hindurch. „Wir unterstützen das mit diesen Aktionen, damit es noch mehr Geschwindigkeit bekommt“, macht einer deutlich, dem das Thema seit jeher persönlich sehr am Herzen liegt. „Wir müssen etwas für die Natur tun“, lautet seine Devise. Mit dieser Aktion hat Rödiger als Gartenexperte sicher Zeichen gesetzt.
„Nachhaltigkeit ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Lauf mit.“
Helmut Rödiger, Bauhaus
„Der Garten ist nicht im Trend. Der Garten ist eine Bewegung, die sich verstärken wird, aber auch mal kleine Dellen haben kann.“
Helmut Rödiger, Bauhaus




