Nachhaltigkeitsberichte sind längst von der Kür zur Pflichtübung geworden. Durch Regulierung (CSRD, EU-Taxonomie), wachsende Erwartungen von Investoren, Kunden und Mitarbeitenden sowie den Druck von NGOs und Medien legen immer mehr Unternehmen detailliert offen, wie sie Umwelt, Soziales und Unternehmensführung steuern. Zugleich entsteht der Eindruck einer „Berichtsflut“: Dutzende Seiten, Kennzahlen, Ratings – aber wer liest das, und für wen hat das wirklich Wert?
Am Beispiel des aktuellen Nachhaltigkeitsberichts von Kärcher lässt sich gut zeigen, welchen Stellenwert solche Berichte heute haben, wo ihr Mehrwert liegt – und warum sie auch für den DIY-Handel relevant sind. Kärcher veröffentlicht mit dem Bericht 2025 eine umfassende Bestandsaufnahme seiner Nachhaltigkeitsstrategie und -ziele. Das Unternehmen betont Transparenz als zentrales Motiv und stellt dafür Kennzahlen, Zielpfade und Maßnahmen zusammen.
So vermeldet Kärcher beispielsweise eine deutliche Reduktion seiner direkten Emissionen (Scope 1 und 2): 44,5 Prozent weniger Emissionen an weltweiten Produktions- und Logistikstandorten im Vergleich zu 2020. Das ursprüngliche Ziel, bis 2030 den direkten Treibhausgas-Fußabdruck dieser Standorte um 42 % zu senken, ist damit bereits übertroffen worden.Nach Angaben des Herastellers wurde dies durch 100 Prozent Strombezug aus erneuerbaren Quellen an Produktions- und Logistikstandorten erreicht. Sowie durch den Ausbau von Photovoltaik und konsequente Energieeffizienzmaßnahmen.
Warum der DIY-Handel auf solche Berichte angewiesen ist
Baumärkte und DIY-Ketten stehen selbst unter Druck, ihre Sortimente nachhaltiger auszurichten – sei es durch eigene Klimaziele, CSRD-Berichtspflichten, Lieferkettengesetze oder durch Nachfrage engagierter Kundengruppen.
Nachhaltigkeitsberichte von Lieferanten liefern hierzu: - produktbezogene CO₂-Daten (z. B. ISO-14067-Fußabdrücke), Aussagen zu Materialeinsatz (Rezyklatanteile), Informationen zu klima- und ressourcenschonender Produktion (erneuerbare Energien, Effizienzmaßnahmen), Nachweise zu Arbeits- und Sozialstandards.
Eigene Berichts- und Nachweispflichten des Handels: Große DIY-Händler fallen zunehmend selbst in den Geltungsbereich der CSRD und vergleichbarer Regulierungen. Sie müssen wiederum über ihre Scope-3-Emissionen berichten – diese umfassen in wesentlichen Teilen die Emissionen der gehandelten Produkte. Ohne belastbare Daten ihrer Lieferanten (wie sie in Nachhaltigkeitsberichten angelegt sind) wird das kaum möglich.
Risikomanagement in der Lieferkette: Lieferanten mit klaren Nachhaltigkeitszielen, transparenten Kennzahlen und guten ESG-Ratings gelten als weniger riskant – etwa hinsichtlich Reputationsrisiken, rechtlicher Risiken in der Lieferkette oder zukünftiger Regulierung (z. B. CO₂-Bepreisung). Kärcher positioniert sich hier sichtbar mit seiner Emissionsstrategie, den HR-Standards und der EcoVadis-Silber-Auszeichnung.
Differenzierung gegenüber Wettbewerbern: DIY-Händler können Nachhaltigkeit zunehmend als Differenzierungsmerkmal nutzen – etwa durch „nachhaltige Produktlinien“, Regalplatzierung, Siegel, Storytelling am POS und online. Basis dafür sind glaubwürdige, datenbasierte Aussagen der Markenlieferanten. Kärchers Bericht bietet hierfür inhaltliche Anknüpfungspunkte (z. B. Rezyklatanteile, Abfallreduktion, Denkmalreinigungsprojekte).
Nachhaltigkeitsberichte sind heute mehr als reine Pflichtdokumente
Zum einen dokumentiert der Bericht messbare Fortschritte (z. B. Emissionsreduktion, Rezyklatanteile, Recyclingquoten), klare Ziele und Maßnahmen. Zuma anderen dient er als Grundlage für externe Bewertung (EcoVadis, Öffentlichkeit, Medien) und für interne Steuerung. Und für den DIY-Handel sind solche Berichte ein zentrales Instrument zur Lieferantenbewertung, zur Erfüllung eigener Berichtspflichten und zur Entwicklung nachhaltiger Sortimente.
In einer Umgebung mit „Berichtsflut“ behalten Berichte wie der von Kärcher ihren Wert, wenn sie auf relevanten Kennzahlen basieren, Standards und externe Prüfungen nutzen, konkrete Fortschritte und nicht nur Absichtserklärungen dokumentieren und unterschiedliche Stakeholder – inklusive Handel – mit den für sie relevanten Informationen versorgen.
Gerade vor diesem Hintergrund sind Nachhaltigkeitsberichte für den DIY-Handel nicht nur „nice to have“, sondern zunehmend ein strategisches Werkzeug, um sich selbst zukunftsfähig aufzustellen – vorausgesetzt, sie werden aktiv genutzt,
