Nachdem zuletzt über Enteignung spekuliert worden war, übergibt die deutsche Baumarktkette Obi seine russische Tochtergesellschaft an einen nicht genannten russischen Investor. Geld fließt nicht. Die Marke Obi darf in Russland nicht mehr verwendet werden.
Der Rückzug von Obi aus Russland ist endgültig besiegelt. Nach zunächst unbestätigten Medienberichten über einen Verkauf der russischen Tochtergesellschaft hat die Baumarkt-Tochter des deutschen Tengelmann-Konzerns diesen Schritt bestätigt. Alle juristischen Einheiten seien ohne Kaufpreiszahlung an einen Investor übertragen worden, heißt es in einem Statement. Dies „vorbehaltlich der Zustimmung der zuständigen Behörden und unter der Bedingung, dass die Marke Obi in Russland zukünftig nicht mehr verwendet wird“. Nach der Transaktion sei die Obi-Gruppe weder direkt noch indirekt in Russland tätig.
Zunächst hatte gestern die Nachrichtenagentur „Tass“ unter Verweis auf den zuständigen Anwalt, Dmitri Galanzew, von einer Vereinbarung zum Verkauf der russischen Tochtergesellschaft von Obi berichtet. Laut der Zeitung „Wedomosti“ wird das Unternehmen bis zur Abwicklung des Verkaufs von der Beratungsgesellschaft Audit Group verwaltet. Der Chef von Audit Group sagte der Nachrichtenagentur „Ria Nowosti“, „die ausländische Firmenleitung“ habe den Verkauf der Tochtergesellschaft beschlossen. „Es gibt einen nationalen Investor, aber wir dürfen seinen Namen nicht ohne seine Zustimmung nennen, ebenso wenig können wir die finanziellen Bedingungen der Transaktion kommentieren.“
Die deutsche Obi-Leitung hatte im März die dauerhafte Schließung der Filialen in Russland verkündet. „Wedomosti“ berichtete daraufhin von einem „schweren Konflikt zwischen der russischen Obi-Führung und dem deutschen Mehrheitsaktionär“. Demnach waren die Geschäfte in Russland nach der verkündeten Schließung noch mehr als eine Woche lang geöffnet geblieben. Dem widerspricht Obi: „Alle Märkte waren bereits am 17. März 2022 geschlossen.“
Die russische Regierung hatte westlichen Exit-Firmen zuvor offen mit Enteignung gedroht. Tengelmann-Chef Christian Haub sagte, er sei „fest davon überzeugt, dass es so weit kommt“.
