Umweltbewusste Grill-Fans haben viele Möglichkeiten, nachhaltig und ökologisch sinnvoll zu grillen. Wir geben einen Überblick über die wichtigsten umweltschonenden Grill-Techniken.
Für die einen ist Grillen eine Leidenschaft, eine Kunst, eine Herausforderung, bei der vor allem das perfekte Ergebnis zählt. Für die anderen ist es eine gesellige Art des gemeinsamen Essens – die aber das ökologische Gewissen belastet. Gründe dafür gibt es viele: Einweggeschirr und Einweggrills verursachen in jeder Saison tonnenweise Müll. Grillkohle wird in vielen Fällen aus tropischen Hölzern gewonnen. Hinzu kommt die starke Rauchentwicklung: Feinstaub, Kohlendioxid, gesundheitsschädigende Kohlenwasserstoffe, die mit dem Kohlenrauch freigesetzt werden. Die gute Nachricht: Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die Ökobilanz des Grillens deutlich zu verbessern.
Das Grillgut
Die wichtigste Grillkomponente: Das Grillgut. In einer Ökobilanz-Studie des TÜV haben Wissenschaftler herausgefunden, dass nahezu 95 Prozent der anfallenden klimarelevanten Emissionen durch das Grillgut erzeugt werden. Für die Studie wurden die Emissionen und andere Umweltauswirkungen erfasst, die bei der Herstellung und dem Transport des Produktes entstehen. Das Ergebnis: „Tierische Produkte belasten die Umwelt über den gesamten Lebensweg weit mehr als Gemüse“, sagt Ralf Martin Müller, Projektverantwortlicher für Ökobilanzierungen bei TÜV Rheinland. „Ob man Holzkohle verwendet oder einen Gas- oder Elektrogrill, ist für die Umwelt längst nicht so wichtig.“ Für die Studie wurden die Umweltauswirkungen eines Grillabends von zwei Familien mit je acht Personen analysiert. Je nach Grillart entstanden dabei etwa 17,5 bis 18 Kilogramm Kohlendioxid – ungefähr so viel verbraucht ein Mittelklassewagen bei einer 120-Kilometer-Autofahrt. Die größten Klimasünder waren dabei Rindfleisch-Steaks und Grillkäse – Mais verursachte kaum CO2-Emissionen. „Bewusstes Einkaufen nützt der Umwelt“, sagt Müller. „Wer also auf Grillkäse und Rindfleisch verzichtet, kann leicht etwas Gutes für die Umwelt tun.“
Der Grill
Die aus Umweltschutz-Aspekten bedenklichste Art des Grillens sind Einweg-Grills. Zwar sind sie klein und praktisch, komplett ausgestattet und günstig, verursachen aber viel Abfall. „Die verschmutzen Grill-Reste werden nicht recycelt, obwohl Aluminium grundsätzlich recyclingfähig ist“, heißt es bei der Verbraucherzentrale NRW. Außerdem sei die Brandgefahr hoch, der Untergrund oft nachhaltig beschädigt, und es werden durch den Brennvorgang krebserregende Stoffe freigesetzt. „Diese Wegwerf-Grills sind für die Umwelt eine enorme Belastung“, klagt die Verbraucherzentrale. Die bessere und umweltschonende Alternative: Stationäre Grills oder – für unterwegs – ein öffentlicher Grillplatz. In vielen Parks ist ein gemauerter Bratrost vorhanden, es fehlen nur Grillgut, Kohle und Anzünder.
Die Kohle
Der NABU empfiehlt, auf das Naturland-Siegel zu achten, das für eine nachhaltige Forstwirtschaft und die Einhaltung sozialer und ökologischer Kriterien steht. Ebenfalls empfehlenswert: Das DIN-Kennzeichen, das den Verzicht auf Pech, Erdöl, Koks oder Kunststoffe garantiert.
Für besonders umweltbewusste Grillfans gibt es nachhaltige und klimaschonende Alternativen zur herkömmlichen Kohle, beispielsweise Grillkohle aus Olivenkernen und -schalen. OlioBric nennt sich das Start-Up, das die in Griechenland hergestellte Olivenkohle nach Deutschland bringt und vermarktet. „Die Kohle wird in einem Familienunternehmen auf der griechischen Insel Mykonos hergestellt“, erzählt Jürgen Fritz von OlioBric. Er lebte einige Zeit in Griechenland und stieß durch Zufall auf das Unternehmen, das die Olivenkern-Kohle eigentlich zum Kalkbrennen herstellt. Fritz brachte das Produkt nach Deutschland. „Die Kohle hat im Vergleich zu herkömmlichen Brennstoffen viele Vorteile. Sie ist CO2-neutral, brennt länger als die meisten Holzkohle-Produkte, es gibt kaum Funkenflug und keine Geruchs- oder Geschmacksbeeinträchtigung“, sagt Fritz. Selbst wenn ohne Aluschale gegrillt werde und Fett auf die Olivenkern-Briketts tropfe, gebe es keine Spritzer, keine Funken und kaum Rauchbildung. „Warum das so ist, wissen wir nicht genau. Aber es ist so“, sagt der Unternehmer.
Eine weitere Alternative zu herkömmlicher Kohle: Grillkohle aus Kokosnussschalen. Die Firma McBrikett vertreibt „Kokoko“: Die Kokoskohle brennt etwa dreimal so lange wie herkömmliche Holzkohle, verspricht der Hersteller. Beim Verbrennen entsteht viel weniger Rauch und deutlich weniger Asche. Und: Die Kohle ist nachhaltig und wird ausschließlich aus Abfallprodukten gewonnen.
Der Anzünder
Spiritus ist eine der umweltschädlichsten und nebenbei auch gefährlichsten Varianten, Kohle zu entzünden. Wird der Flüssiganzünder verwendet, entsteht besonders viel Rauch, der zugleich gesundheitsschädigende Rußpartikel transportiert. Zudem schlagen die Flammen sehr hoch, sobald der Spiritus entzündet wird, und können – je nach Windrichtung – unabsehbar schnell die Richtung ändern und schwerste Verbrennungen verursachen. Die nachhaltigere, sichere und schonendere Variante: Anzünder, der aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird. Der Hersteller Flamax hat Ökoanzünder auf den Markt gebracht, die aus in Öl getränkten Holzspänen bestehen. Eine weitere, umweltfreundliche Alternative: „Zündli“ nennen sich kleine Holzstäbchen, die in Kerzen- oder Bienenwachs getaucht werden. Hersteller ist die Lebenshilfe Gießen.
Das Geschirr
Für Park-und Picknick-Griller gibt es eine nachhaltige Alternative zu Wegwerf-Plastik-Tellern: Schalen und Teller aus Palmblättern. Das Start-Up Leef produziert und vertreibt nachhaltiges Geschirr, das unbehandelt und vollständig kompostierbar ist. Das Geschirr ist leicht, stabil, ofen- und mikrowellentauglich und kann mehrfach verwendet werden.
Josephine Pabst
