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In der energieintensiven Baustoff-Steine-Erden-Industrie sind Produktionsstopps und Insolvenzen aufgrund der hohen Energiepreis bereits Realität. (Quelle: HeidelbergCement AG)

Industrie

08. September 2022 | Teilen auf:

Baustoffindustrie besorgt: Entlastunspaket greift zu kurz

Der Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden (bbs) bewertet das am 4. September bekanntgegebene Entlastungspaket der Bundesregierung als unzureichend: Sollte nicht nachjustiert werden, drohen Kurzarbeit und Verluste von Tausenden Arbeitsplätzen in der Industrie.

Das Entlastungspaket richte sich vorrangig an die privaten Haushalte, die Energiekrise in der Industrie komme dabei deutlich zu kurz, kritisiert Dr. Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Baustoffe - Stein und Erden, in dem sich die energieintensiven Produzenten von mineralischen Roh- und Baustoffen wie Kalk, Keramik, Zement und weitere Steine-Erden-Industrien organisieren. "Mit jedem Tag spitzt sich die Situation weiter zu. Produktionsstopps und Insolvenzen sind aufgrund der hohen Energiepreise in unserer Branche bereits Realität", stellt Matthias Frederichs klar.

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Dr. Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des bbs: Gas- und Strompreise entsprachen zuletzt dem 10- bzw. 15-fachen des Vorkrisenniveaus. (Quelle: bbs)

Die vage Ankündigung eines Programms für energieintensive Unternehmen ohne weitere Details trage in der Branche nicht zur Beruhigung bei, so der Verband. Ähnliches gelte für den Spitzenausgleich bei der Energie- und Stromsteuer, welcher derzeit bereits gelte und insofern keine zusätzliche Entlastung sei. „Die Industrie steht mit dem Rücken an der Wand. Wir brauchen so schnell wie möglich eine Deckelung der Gas- und Strompreise, notfalls zunächst auf nationaler Ebene. Dass die derzeitigen Preise nicht alternativlos sind, machen andere EU-Mitgliedsstaaten wie Spanien, Italien oder Frankreich vor", erläutert der Hauptgeschäftsführer.

Appell an die Bundesregierung

Sollte beim Strom- und Gaspreis für die Industrie nicht sofort entgegengesteuert werden, werde der Industriestandort Deutschland nachhaltig geschwächt, befürchtet der bbs. Die Entwicklung zahlreicher Branchen zeige, nachgefragte Industrien und Arbeitsplätze verschwinden nicht, sondern verlagern sich. Marktanteile, die verloren gehen, kommen auf absehbare Zeit nicht zurück. Deutschland riskiere so sein Mitspracherecht im Kampf gegen den Klimawandel und die bereits laufenden Anstrengungen zur Dekarbonisierung der Industrie zu verlieren. „Unsere Aufforderung an die Bundesregierung ist eindeutig: Richten Sie den Blick auf die Industrie und handeln Sie jetzt, bevor es zu spät ist. Hier braucht es jetzt einen engen Schulterschluss zwischen Politik und Industrie.“, so Frederichs.

zuletzt editiert am 08.09.2022