Ein schwarzer Geldbeutel mit herausragenden Euro-Geldscheinen auf einem grauen Hintergrund.
Beweisen Sie Mut zu echten strukturellen Reformen, statt die Binnenkonjunktur weiter abzuwürgen und den Wohlstand des Landes massiv zu gefährden. Der lange angekündigte große Wurf muss nun kommen – ohne Wenn und Aber, so der Appell der Wirtschaftsverbände. (Quelle: analogicus, Pixabay)

Handel 2026-04-14T00:00:00Z Steuerdebatte: Wirtschaftsverbände appellieren an den Bundeskanzler

In einem gemeinsamen Brief an den Bundeskanzler begrüßen der Handelsverband Deutschland (HDE), der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) der Bundesverband der Freien Berufe (BFB) und der Mittelstandsverbund (ZGV) grundsätzlich das Ziel der Bundesregierung, Bürger und Unternehmen steuerlich zu entlasten und Wachstum zu stärken. Sie lehnen jedoch die diskutierte Gegenfinanzierung durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von 19 auf 21 Prozent entschieden ab.

Der ohnehin belastete Standort Deutschland (hohe Arbeits- und Energiekosten, starke Regulierung) würde durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer zusätzlich geschwächt, so ihre Begründung. Und: Eine höhere Mehrwertsteuer würde die Preise weiter antreiben, die Inflation auf über 4–5 Prozent treiben und damit den privaten Konsum weiter dämpfen, die EZB zu höheren Zinsen verleiten, einen beginnenden Aufschwung abwürgen, argumentieren die genannten Wirtschaftsverbände und betonen die extrem schlechte Konsumstimmung. Schon die Diskussion über eine Mehrwertsteuererhöhung wirke als „Konsumkiller“ und gefährde Existenzen im Binnenmarkt, so die Kernbotschaft.

Die Wirtschaftsverbände unterstreichen in ihrem Brief drei konkrete Forderungen:

  • Faktor Arbeit entlasten: Strikte Deckelung der Sozialversicherungsbeiträge bei maximal 40 % zur Senkung der Lohnnebenkosten.

  • Energiekosten senken: Reduzierung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß für alle Unternehmen.

  • Bürokratie radikal abbauen: "Befreiungsschlag“ gegen Überregulierung, damit unternehmerisches Handeln wieder erleichtert statt blockiert wird.

Die Verbände verlangen ein stringentes, wachstumsorientiertes Gesamtkonzept, politische Führung und „echte strukturelle Reformen“ ohne neue Belastungen von Wirtschaft und Verbrauchern.

Was eine Steuererhöhung für den DIY-Handel bedeutet

  • Direkter Preisimpuls: Eine Mehrwertsteuererhöhung auf 21 % würde nahezu das gesamte Baumarktsortiment verteuern. Bei typischen Warenkörben im dreistelligen Eurobereich wären Aufschläge unmittelbar spürbar, was preissensible Kundschaft zusätzlich zurückhält.
  • Konsumstimmung und Aufschub-Effekte: DIY-Projekte und Renovierungen sind in hohem Maße verschiebbar. In einem Umfeld von Verunsicherung, hoher Energiepreise und steigenden Zinsen würden viele Haushalte Investitionen in Haus, Garten und Modernisierung weiter aufschieben oder auf Minimal-Lösungen ausweichen.
  • Wettbewerbsdruck und Margen: Baumärkte stehen im intensiven Preiswettbewerb (stationär und online). Eine höhere Mehrwertsteuer lässt sich nur begrenzt an Kunden weitergeben; das erhöht den Druck auf Margen und Sortiment, insbesondere im Preiseinstiegsbereich.
  • Energiekosten & Fläche: Der Baumarktsektor ist flächenintensiv und energiehungrig (Beleuchtung, Heizung, Logistik). Eine Senkung der Stromsteuer für alle Unternehmen würde Baumärkte spürbar entlasten und Investitionen in moderne, energieeffiziente Märkte oder Logistik erleichtern.
  • Bürokratie & Personal: Hohe Personalintensität, umfangreiche Sortimente und zahlreiche Auflagen (z.B. Gefahrstoffe, Umwelt, Bauprodukte, Ladenöffnung, Berichtspflichten) machen den Bürokratieabbau für Baumärkte besonders relevant. Geringere Lohnnebenkosten würden zudem die Beschäftigung im Handel stabilisieren.

Unterm Strich wären die im Schreiben der Verbände geforderten Maßnahmen (Entlastung bei Arbeit, Energie, Bürokratie) klar positiv für den DIY-Handel zu werten, während eine Mehrwertsteuererhöhung die ohnehin fragile Nachfrage- und Ertragssituation deutlich verschlechtern würde.

zuletzt editiert am 13. April 2026