Die Deutschen wenden von allen 27 EU-Mitgliedstaaten den geringsten Anteil ihrer Konsumausgaben für den Einzelhandel auf: Nur 22,2 Prozent des privaten Konsums fließen hierzulande in den stationären und Online-Einzelhandel – EU-weit sind es im Schnitt 31,9 Prozent. Das zeigt die neue, kostenfreie Studie „Einzelhandel Europa" von NIQ Geomarketing, die zentrale Kennziffern des europäischen Einzelhandels für 2025 und 2026 auswertet.
Der Rückgang des Einzelhandelsanteils an den Konsumausgaben setzt sich EU-weit bereits das vierte Jahr in Folge fort – trotz steigender Kaufkraft und wachsender Einzelhandelsumsätze. „Die zentrale Erkenntnis ist nicht, dass die Europäer weniger ausgeben, sondern dass sie ihr Geld anders ausgeben", erklärt Studienleiter Philipp Willroth aus dem Bereich Geomarketing von NIQ. Ein wachsender Anteil der Verbraucherbudgets fließe stattdessen in Dienstleistungen und Freizeit – ein struktureller Wandel der Konsumprioritäten, der laut Willroth nicht mehr automatisch mit steigender Kaufkraft korrigiert wird.
Für den DIY-Handel dürfte das ein Befund mit Signalwirkung sein: Wachsende Kaufkraft übersetzt sich nicht mehr zwangsläufig in mehr Einzelhandelsumsatz. Damit dürfte sich der Wettbewerb um die Ausgabenanteile der Kunden weiter verschärfen.
Am größten ist der Einzelhandelsanteil laut Studie in ost- und südosteuropäischen Ländern: Spitzenreiter ist Kroatien mit 48,3 Prozent, gefolgt von Litauen (45,7 %), Bulgarien (44,0 %) und Ungarn (43,2 %). Deutschland bildet dagegen das Schlusslicht – wie in vielen einkommensstärkeren westeuropäischen Ländern fließt hier ein überdurchschnittlich hoher Anteil der Konsumausgaben in Dienstleistungen statt in den Handel.
Kaufkraft steigt, Umsatzwachstum verlangsamt sich
Die durchschnittliche Kaufkraft je EU-Einwohner legte laut Studie 2025 nominal um 3,3 Prozent auf 22.425 Euro zu; den 27 Mitgliedstaaten standen insgesamt rund 10,1 Billionen Euro zur Verfügung. Gleichzeitig verlangsamte sich das Wachstum des Einzelhandelsumsatzes in der EU von 3,0 Prozent (2024) auf 2,1 Prozent (2025) – ein Indiz für eine fortschreitende Normalisierung des Konsumverhaltens nach der Pandemie. Die Inflation lag 2025 EU-weit im Schnitt bei 2,5 Prozent, für 2026 wird ein Anstieg auf 3,1 Prozent erwartet, hauptsächlich getrieben durch den erneuten Druck auf die Energiemärkte.
