Gebäudebestand, Sanierung, Energiekrise
Die Sanierung des Gebäudebestands ist ein zentraler Lösungsansatz sowohl zur Bekämpfung der Energiekrise als auch der gesundheitlichen Folgewirkungen (Quelle: Velux)

Industrie

14. November 2022 | Teilen auf:

Studie: Energiekrise forciert schlechte Wohnverhältnisse

Mehr Schimmelbefall in Wohnungen, mehr Atemwegserkrankungen, mehr gesellschaftliche Unzufriedenheit – die Auswirkungen der aktuellen Energiekrise dürften nach einer neuen Studie von Rand Europe deutlich gravierender ausfallen als bislang angenommen.

Laut der Studie mussten bereits vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine 34 Millionen Europäer in zu kalten Wohnungen leben. Weitere 29 Millionen waren von Dunkelheit, 69 Millionen von Feuchtigkeit und Schimmel und 92 Millionen von übermäßigem Lärm betroffen. Die Verfasser der Studie verdeutlichen einen unmittelbaren Zusammenhang mit der sozialen Situation und insgesamt mit der Unzufriedenheit einer Gesellschaft . Die Auswertungen sind Teil des „Healthy Homes Barometer 2022“. Diese Analyse des europäischen Gebäudebestands wird seit 2015 regelmäßig auf der Basis von wissenschaftlichen Untersuchungen vom Dachfenster-Hersteller Velux herausgegeben. Für die aktuelle Studie hat sich Rand Europe auf den Datensatz von mehr als 100.000 Haushalten gestützt.

„Als Folge der stark gestiegenen Energiepreise drohen zusätzlich erhebliche Schäden im Gebäudebestand, ein Anstieg von Atemwegs- und psychischen Erkrankungen sowie eine steigende gesellschaftliche Unzufriedenheit“, so Ralf Hengherr, wissenschaftlicher Berater der Repräsentanz transparente Gebäudehülle, der das Healthy Homes Barometer 2022 begleitet hat. Till Reine, Head of Public Affairs DACH bei Velux, ergänzt: „In der derzeitigen Energiekrise ist es sehr wahrscheinlich, dass über die Heizperiode hinweg vermehrter Schimmelbefall auftauchen wird.“

Die Folgen schlechter Wohnverhältnisse haben auch massiven Einfluss auf den mentalen Zustand einer Gesellschaft. So zeigen die Autoren der Untersuchung, dass Menschen, die in Häusern oder Wohnung mit Kälte, Feuchtigkeit, Lärm und Dunkelheit leben, fast fünfmal so häufig unglücklich sind wie Menschen, die eine gute Wohnqualität haben.

Hauseigentümer wissen zu wenig

Das Healthy Homes Barometer 2022 zeigt außerdem, wie gering das Wissen der Hauseigentümer in Deutschland über den energetischen Zustand ihrer Gebäude ist. So erreichen mehr als 52 Prozent der Ein- und Zweifamilienhäuser nicht einmal Effizienzklasse D, aber nur knapp sechs Prozent dieser Eigentümer wissen davon. „Wenn die Bundesregierung eine Welle der energetischen Sanierung in Gang setzen will, muss sie zunächst massive Aufklärungsarbeit leisten, gleichzeitig aber auch sicherstellen, dass diese Kommunikationsoffensive bei den Bürgern ankommt. Dies scheint bislang noch zu wenig der Fall zu sein“, so Till Reine von Velux.

Im europäischen Vergleich stehen die skandinavischen Länder mit Norwegen und Finnland an der Spitze, wenn es um gute Raumklima-Qualität geht. Dort klagen nur 19 Prozent der Einwohner über schlechte Wohnverhältnisse, dicht gefolgt von der Slowakei (20 Prozent) und der Tschechischen Republik (22 Prozent). Die schlechtesten Bedingungen zeigen sich laut der aktuellen Wohngesundheitsstudie in Portugal (50 Prozent) und Zypern (49 Prozent) – Deutschland liegt mit 35 Prozent im schlechteren Mittelfeld.

Wie das Healthy Homes Barometer 2022 zeigt, ist die Sanierung des Gebäudebestands ein zentraler Lösungsansatz, sowohl zur Bekämpfung der Energiekrise als auch der gesundheitlichen Folgewirkungen. Ralf Hengherr fordert daher eine Änderung der Förderpolitik:

zuletzt editiert am 14.11.2022