Das Containerschiff HMM Helsinki liegt im Hamburger Hafen.
Statt von einem Land abhängig zu sein sollten die Bezugsquellen für wichtige Rohstoffe erweitert werden. (Quelle: BaumarktManager)

Industrie

05. July 2022 | Teilen auf:

Studie: Lieferketten müssen dringend krisensicherer werden

Um bei Schlüsseltechnologien wie Batterietechnik, Robotik und Erneuerbare Energien nicht von einzelnen Ländern abhängig zu sein, braucht es mehr Bezugsquellen um somit im Krisenfall widerstandsfähiger zu sein, so das Ergebnis einer Studie des Ifo-Instituts.

Lieferkettenstörungen sind laut der Studie bei den neun kritischen Mineralien wie Kobalt, Bor, Silizium, Graphit, Magnesium, Lithium, Niob, Seltene Erden und Titan besonders problematisch, da alternative Quellen nur langfristig erschlossen werden könnten. Dies sei eine Lektion der jüngsten Versorgungsnotlagen im Zuge der Corona-Pandemie und geopolitischer Krisen wie dem Ukraine-Krieg.  „Die sichere Rohstoffversorgung ist mit Blick auf das Gelingen der Energiewende und der Digitalisierung essenziell“, sagt Manfred Gößl, Hauptgeschäfts­führer der IHK für München und Oberbayern. Die Unternehmen müssten sich noch stärker als bislang um „vielfältige und belastbare Lieferketten für kritische Rohstoffe kümmern.“ Auch die Bundesregierung und die EU-Kommission stehe in der Pflicht. Denn viele dieser Rohstoffe kommen in autokratischen Ländern vor und der direkte Bezug für den Mittelstand bedeute große geschäftliche und rechtliche Risiken. „Die geplanten Lieferkettengesetze auf nationaler und europäischer Ebene erhöhen den Beschaffungsaufwand weiter und könnten ohne geeignete Maßnahmen der Politik die Marktdominanz und Abhängigkeit von Rohstoffhändlern außerhalb Deutschlands und der EU sogar noch erhöhen“, befürchtet Gößl.

Studienautorin Lisandra Flach macht deutlich, dass bei sieben der neun besonders kritischen Rohstoffe China einer der größten Anbieter am Weltmarkt ist, teilweise in marktdominierender Position. Dies spreche für eine schnelle Verstärkung bereits bestehender Handelsbeziehungen zu anderen Ländern, darunter Thailand und Vietnam für die Seltenen Erden, aber auch Argentinien, Brasilien, USA und Australien für andere kritische Rohstoffe. Die Außenhandelsexpertin unterstreicht, dass bei der Mehrheit, der in der Studie untersuchten 23 kritischen Rohstoffe Maßnahmen für widerstandsfähigere Lieferketten nötig seien.

zuletzt editiert am 05.07.2022