Heimtextil 2015
Quelle: Foto: Brü

Industrie 2015-03-25T00:00:00Z Uneinheitlich, aber ideenreich

Bestens gestimmt und mit sattem Ausstellerplus starteten die Veranstalter der Messe Frankfurt im Januar mit der Heimtextil ins Messejahr 2015. Und auch die DIY-relevanten Aussteller sehen den kommenden Monaten weitgehend optimistisch entgegen.


Heimtextil 2015
Quelle: Foto: Brü

Und das, obwohl besonders die Tapetenbranche in nicht gerade einfachen Zeiten manövriert. Rückgängige Umsatzzahlen, neue Trends abseits des Tapezierens und gravierende Probleme in Auslandsmärkten wie Russland machen die Gesamtsituation nicht einfach. Gut, lässt sich an den Ständen hören, dass sich abseits stagnierender Baumarktabsätze in anderen Vertriebskanälen neue Chancen auftun. Gewachsene Absatzmengen bei Discountern oder bei Onlineanbietern sind da durchaus willkommene Auffangbecken, heißt es.
Doch auch auf das Hauptgeschäft mit den Baumärkten verwenden die Anbieter viel Mühe und Vorbereitungen. Obwohl sich, wie es scheint, die Gewichtungen durchaus etwas verschoben haben. War früher die Leitmesse in Frankfurt immer ein Signalgeber für Design- und Einrichtungstrends in den DIY-Geschäften, wird diese Leitlinie gefühlt etwas schwammiger. Natürlich gibt es weiterhin eine Menge neuer Kollektionen, aber eine einheitliche Trendfarbenpalette oder -struktur ist nicht zu erkennen. Allenfalls schwebt noch der Oberbegriff „Natur“ über den Designlinien – doch auch dieser vereint nicht, wie man annehmen könnte, nur florale Dessins oder Pflanzenstrukturen – hier sind grundsätzlich alle pastelligen Töne, Tiermotive etc. zusammengefasst.

Gesamtkollektionen im Kommen

Auch das mittlerweile beliebte „Industrial Design“, das den Chic alter Ziegelwände, Bruchsteinmauern oder stählerner Gerüste zeigt, wird hierunter gefasst. Gesamtkollektionen unter der klaren Handschrift der Designer – Barbara Becker oder Raffi bei BrandIQ/Ostendorf oder Michalsky bei A.S. Création liegen ebenfalls im Trend. Oft findet sich hier über das Ursprungsprodukt – Farbe oder Tapete – hinausgehend ein abgestimmtes Wohnkonzept, das eine ganze Palette für den Endverbraucher sehr geschmackssicher verbindet.

Auch wenn Farben, Töne und Strukturen keine einheitliche Linie zeigen – echte Highlights gibt es dennoch. So sind am Stand von Rasch Tapeten strukturierte Vliestapeten in überdimensionaler Schlangen- oder Wildtierfelloptik zu sehen. Nichts für alltägliche vier Wände –
als Highlight-Panel aber ein echter Hingucker. Auch hoch in der Gunst der Einkäufer: Industrial Chic, aber auch grafische Muster in pastelligen Tönen.
Der berühmte Hauch von Luxus – ihn haben nahezu alle Anbieter im Sortiment. Opulente Muster, Glimmer-Effekte, aufwendige Prägungen, Beflockungen oder Applikationen. Hochwertiges Material und Design: Trading-up spielt auch bei der Heimtextil 2015 eine tragende Rolle. Bei generell eher sinkenden Rollenzahlen muss man Erträge über wertigere Kategorien abfangen. Hochwertiges auch in anderen Bereichen: So präsentierte z. B. Buchheister in der mydeco-Serie ein echtes Maß-Sonnenschutzprogramm.

Durchdachte Verkaufseinrichtungen

Der andere Weg in die Auftragsbücher der Einkäufer führt über clevere Verkaufskonzepte. Deshalb hat der Anteil von PoS-Präsentationen auf den Messeständen in den letzten Jahren beständig zugenommen und tut dies auch weiter. Zu dogmatisch will man sich den Handelspartnern allerdings nicht präsentieren, so der Marketingchef eines großen Anbieters. „Es gibt kaum einen Fall, in dem wir unsere durchdachten Verkaufseinrichtungen 1 : 1 in die Märkte bringen können, der Handel verlangt immer mehr nach Lösungen, die an das spezielle Design des jeweiligen Retailers angepasst sind.“
Doch eines dominiert auch hier – simple Pappaufsteller oder einfachste Regaleinbauten gehören in fast allen Produktranges der Vergangenheit an. Hochwertige Insellösungen in der dominierenden Farbe Anthrazit, übersichtliche Präsenter mit Bevorratungslösungen etc. Simpler Warendruck ist auch in diesen sehr klassischen Baumarktsortimenten kein Thema mehr. High End gab es auch zu sehen: So war der 3-D-Laser-Präsenter bei Gardinia immer dicht umringt. Hier konnten Produkte in einem dreidimensionalen Bild frei durch einen Glaskubus schweben. Ein Hingucker.

Neben edlen Qualitäten kommt es aber auch immer wieder auf pfiffige Produkterweiterungen mit Mehrwert an. So zeigte Folienspezialist Hornschuch einen Vinylboden, der sich ähnlich wie Laminate per Clicksystem verbinden und somit lückenlos verbinden lässt. Kürzen oder beschneiden lässt er sich aber per Cuttermesser. Dekohighlights setzen selbstklebende Fliesenapplikationen von A.S.Création. Um eine weitere bahnbrechende Neuerung macht Decotric noch ein bisschen Geheimnis – eine wiederverwendbare Klebeschicht könnte das Tapezieren der Zukunft tatsächlich verändern …

BRÜ

zuletzt editiert am 24. Juni 2021
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