lynxgrill-Sortiment
Quelle: Foto: lynxgrills

Industrie 2015-03-09T00:00:00Z Von der Straße in den Garten

Würstchen und vormariniertes Steak aus dem Supermarkt war gestern. Wer heute am Grill etwas auf sich hält, versucht sich an selbstgeformten Burger-Patties, produziert Pulled Pork mit Homemade-Rubs, kredenzt den perfekten Brisket oder serviert den Gästen ein Pastrami-Sandwich.


lynxgrill-Sortiment
Quelle: Foto: lynxgrills

Der Trend zum Street Food, einer Art Luxus-Fast-Food, das die deutschen Großstädte gerade im Sturm erobert, findet so seine Fortsetzung in der heimischen Outdoor-Cuisine. Grills und Smoker werden zu Schauplätzen kulinarischer Höhenflüge.

Sie heißen Street Food Thursday, Village Market, Beer and Beef oder Bite Club: In Berlin sprießen immer mehr Street-Food-Märkte aus dem Boden. In Markthallen und auf alten Industriegeländen gibt es internationales Essen auf die Hand, gefertigt von überwiegend jungen Hobbyköchen. Street-Food spart nicht an Kohlenhydraten, aber die Zutaten sind frisch und hausgemacht. Auch die Herkunft der Lebensmittel schreiben sich die Verkäufer auf die Fahne: Die Szene verlangt Bioqualität und, soweit möglich, Zutaten aus der Region.

Ein beliebter Berliner Street-Food-Stand ist „Big Stuff Smoked BBQ”. Die Gründer Anna Lai und Tobias Bürger verkaufen im Sandwich oder auf einer Platte Pulled Pork, Pork Belly, Beef Brisket und Spareribs – typisch amerikanische Spezialitäten. Die Barbecue-Tradition haben Lai und Bürger während ihres Auslandsaufenthaltes in New York kennen und lieben gelernt. Aus einer „Schnapsidee“ vor fünf Jahren, wie Bürger sagt, ist ein fester Stand in der Markthalle Neun im Berliner Viertel Kreuzberg und ein eigener Food-Truck geworden. Das besondere an Big Stuffs Fleischeinlage: Das Schweine- und Rindfleisch ist im Low-and-Slow-Verfahren zubereitet, und zwar auf dem Grill. Dafür garen große Fleischstücke zwischen zwölf und sechzehn Stunden bei niedriger Temperatur in einem Smoker. Das Ergebnis ist – wenn man es richtig anstellt – rauchiges, saftiges und zerfasertes Fleisch. Wie die Geschäfte laufen, verrät das Gründer-Duo ganz subtil: „open from 12 until sold out“.

In San Francisco, New York, Paris oder London blüht die Kultur ums feine Fast-Food seit einigen Jahren. Etwas zaghafter entwickelte sich die Szene in deutschen Großstädten. Doch nun beginnen Street-Food-Märkte auch die Bundesrepublik zu erobern, und zwar im Eiltempo: Von Berlin bis nach München wächst das Street-Food Angebot rasant. In Düsseldorf und Köln wird seit letztem Jahr regelmäßig das „Street-Food-Festival“ veranstaltet.

Street-Food erobert deutsche Großstädte

In Hamburg hat der „Street-Food-Thursday“ im letzten Herbst gestartet. In Frankfurt schlemmen Besucher auf dem „Markt im Hof“ im Szeneviertel Sachsenhausen. In München startet im
Februar der erste Street-Food-Markt „Hall of Taste“ auf dem Areal der „Mixed Munich Arts“.
Der Trend zum gehobenen Straßen-Imbiss hält auch Einzug auf dem heimischen Rost. Die außergewöhnlichen Kreationen von Foodtrucks und Fressbuden regen viele Grill-Liebhaber an, das Street-Food-Ambiente auch im eigenen Heim zu leben. Denn ob direktes oder indirektes Grillen, vegetarisch, vegan, Fisch oder Fleisch: Viele der auf den Märkten angebotenen Speisen lassen sich besonders gut auf einem Grill verwirklichen. Mit dem nötigen Zubehör und etwas Geduld erfindet sich so auch der passionierte Grill-Meister in ganz neu. Anregungen bekommen Hobby-Köche nicht nur von der Straße. Auch die Grill-Hersteller haben die florierende Street-Food-Szene für sich entdeckt. Neben Kochbüchern, Grill-Apps und Zubehör bieten Weber, Landmann und Co Grill-Modelle an, die dem Hobby-Koch als Allrounder für ambitionierte Grillvorhaben zur Seite stehen. Und zum edlen Essutensil kommen passende Gartenmöbel für das Gourmetfestival zuhause. Denn bei der Zubereitung von Street-Food im Eigenheim wird nichts dem Zufall überlassen.

Langsam Grillen

Stevan Paul ist in der Street-Food-Szene eine bekannte Größe. Der Hamburger ist Food-Stylist und Autor des Kochbuchs „Auf die Hand“. Neben dem steten Kampf um den besten Beef-Burger beobachtet Paul besonders den Erfolg von heißgeräuchertem Fleisch: „Pulled Pork oder Beef fehlt auf nahezu keinem Street-Food-Markt mehr.“ Für deren Zubereitung sei ein Grill mit Deckel und Hitzeregulierung das A und O. Paul etwa nutzt dazu einen Kugelgrill, also eine Bauart, wie ihn der marktführende Grillhersteller Weber seit vielen Jahren im Programm hat. Der „MASTER-TOUCH GBS 57 CM“ ist als Kugelgrill für die Zubereitung von heißgegartem Fleisch optimiert. Zum einen durch einen präziseren Lüftungsschieber, mit dem die Temperatur im Innern des Grills möglichst genau einstellbar ist. Zusätzlich begünstigt ein zweigeteilter Holzkohlekorb (sogenannte „Char Baskets“) das indirekte Grillen, da die Glut auch abseits des Zentrums positioniert werden kann.

Für Tobias Bürger und Anna Lai von Big Stuff Smoked BBQ reicht ein solcher Kugelgrill nicht aus, um jeden Tag alle Gäste an ihrem Stand satt zu bekommen. Bürger und Lai legen ihr Fleisch über Nacht in einen großen Barbecue-Smoker, der von einem Thermostat gesteuert wird: „Der Smoker verbrennt ganze Holzscheite und hält die Hitze zuverlässig über Nacht“, erklärt Bürger. Nicht ganz so groß, aber sicherlich für den Heimgebrauch groß genug ist der ähnlich konstruierte Barbecue-Grill und Smoker von Dilego „El Fuego AY 308“. Nach klassischem amerikanischen Vorbild kann auf Dilegos Neuheit sowohl gegrillt als auch geräuchert werden, oder eben beides gleichzeitig.

Fertigprodukte sind verpönt

Auf einem Street-Food-Markt sind industriell vorgefertigte Lebensmittel verpönt. Die Produkte werden vorwiegend selbst zubereitet. Diesem Anspruch kann der Grill-Fan auch zu Hause gerecht werden. Street-Food-Kenner Stevan Paul empfiehlt besonders, die Burger-Buns selbst herzustellen: „Der Burger mit selbstgebackenem Bun schmeckt um Längen besser.“ Doch die Begeisterung für das Selbstgemachte kann nach stundenlangen Vorbereitungen etwas abflachen. Eine Grillküche erlaubt es hingegen, den Tag „am Herd“ auch im Freien zu verbringen. Für eine extravagante Lösung sorgt in diesem Jahr das kalifornische Unternehmen Lynx mit seiner „Professional Serie“. Einbau-Küchenelemente aus Edelstahl lassen sich individuell zusammenstellen und in eine Küchenzeile integrieren. Zur Auswahl stehen Kochfeld, Kühlschrank, Schränke und Schubladen. Auch eine Cocktail-Station ist mit im Sortiment des Outdoor-Küchenbauers.

Nicht nur das Essen lockt Besucher auf die Street-Food Märkte. Auch der Faktor Geselligkeit spielt beim Essen auf einem Markt oder der Straße eine wichtige Rolle. Wenig Zeit zum Kochen und die Möglichkeit, unverbindlich in Gesellschaft zu essen, treiben viele hungrige Menschen auf die Märkte, die sich für Fast-Food-Essen sonst nicht mehr erwärmen können.

Wer lieber zuhause bleibt, aber auf Geselligkeit nicht verzichten möchte, kann sich Freunde und Familie zum Grillen einladen. Damit der Platz auf dem Grill nicht eng wird, bieten die Austeller immer größere Grillstationen an. Viel Platz auf dem Rost bietet zum Beispiel Landmanns Neuauflage des „Triton 4“, ein Gasgrillwagen mit kleiner Stell- und viel Auflagefläche. Bis zu zwölf Personen sollte „Triton 4“ satt bekommen. Besonderes Highlight für ambitionierte Grill-Fans: Die im Deckel integrierte Temperaturanzeige. Grill-Hersteller Cadac trumpft in diesem Jahr mit Gas-Grill „BRAII MAXX“ mit zwei getrennten Kochbereichen. Gourmets, die die Herausforderung suchen, treffen mit diesem Grill eine passende Wahl.
Für Stadtmenschen ohne Garten ist ein Gas-Kugelgrill „No.1 G60“ von Rösle eine feine Alternative zur Grillstation. Rösles neuer Kugelgrill lässt sich einfach in den nächst gelegenen Park transportieren. Der Deckel, ebenfalls mit eingebautem Thermometer, ist mit dem Grill verbunden und lässt sich mit einer Hand bedienen. Dank 15 Prozent mehr Grillfläche gegenüber dem Vorgänger-Modell passt mindestens ein Flank Steak mehr auf das Rost.

Für das richtige Ambiente im eigenen Garten dürfen die passenden Gartenmöbel nicht fehlen. Grill-Hersteller haben indes nicht geschlafen und präsentieren sich zusätzlich als Möbelanbieter. Landmanns Untermarke Belardo setzt auf Gemütlichkeit in der neuen Sommermöbel-Kollektion: Die Sonneninsel „Minois“ aus grauem Kunstledergeflecht nutzt sich sowohl als Strandkorb als auch als Liegewiese, für eine kleine Auszeit. Eine klassische Variante im Segment der Lounge-Möbel bieten die mit elastischem Material bespannten Stühle aus der Reihe „Pan“ vom Garpa. Mit einem passenden Hocker kann der Gast seine Füße hochlegen und einen Aperitif oder auch Digestif genießen.
Wenn das Geld nicht nur in edle Zutaten, sondern auch in Gartenmöbel fließen darf, bietet Möbelhersteller Garvida, der ebenfalls eine Untermarke von Landmann ist, die Möbel-Reihe Arzia an. Der zwei Meter lange Tisch und die passenden Stühle sind aus australischem Kauri-Baum und Edelstahl gefertigt. Eine Mittelplanke im Tisch dient als Pflanzenrinne oder Abstellfläche für Soßen und Gewürze.

Good Food siegt über Fast Food

Der Trend zu hochwertigen Grill-Allroundern und Luxus-Möbeln hat in dieser Saison erneut Fahrt aufgenommen. Durch Street-Food inspiriert, sammeln Hobbyköche neue Rezeptideen für den Grill. Diesem Trend versuchen Grill- und Möbelhersteller gerecht zu werden.
Stevan Paul kennt sich in der Street-Food Szene aus. Paul begrüßt die Rückkehr des Street-Foods in Deutschland: „Street Food hat es auch schon vor tausenden von Jahren gegeben.
Wir haben die Kultur des qualitativen Straßensnacks einfach lange Zeit verdrängt und Fast-Food-Ketten dem Markt überlassen“, erklärt Paul. Dank der Street-Food-Bewegung ändere sich aber etwas: „Aus Fast-Food wird wieder Good-Food.“
Damit könnte das Street Food kurioserweise nun eben dort ankommen, wo einst das Fast Food seine Anfänge nahm, erläutert Paul: „Die beiden Fast-Food-Klassiker Hamburger und Hotdog haben streng genommen deutsche Wurzeln: Der Fleischwolf wurde in Deutschland erfunden, wenig später der Hackklops. Und beim Hotdog kommt die Wurst aus Frankfurt.“ Die Form erinnerte die Namensgeber an den deutschen Dackel.

Josefin Schürmanns

zuletzt editiert am 24. Juni 2021
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