Forscher des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation haben anhand eines Aerosol-Experiments im Baumarkt herausgefunden, dass in großen Innenräumen kaum Gefahr für eine Corona-Infektion besteht. Voraussetzung: Mitarbeiter und Kunden tragen zertifizierte Gesichtsmasken.
Bei dem Experiment in zwei Baumärkten mit mehr als 10.000 Quadratmetern Verkaufsfläche stellten die Wissenschaftler fest, dass selbst bei einer typischen durchschnittlichen Kundenbelegung von einer Person pro 25 Quadratmeter die ausgeatmeten Aerosole von infizierten Personen im Raum das Infektionsrisiko „praktisch nicht erhöhen“. Dieses Risiko beruhe hauptsächlich auf dem direkten Kontakt und der Interaktion zwischen den Menschen.
„Wir haben Partikel unterschiedlicher Größe verwendet, die den von Menschen ausgeatmeten Aerosolen ähneln und die bekanntermaßen lange in der Luft verbleiben. Im Experiment haben wir ihre Verteilung und ihren Zerfall an verschiedenen Stellen in den Geschäften gemessen“, erläutert der Direktor des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation (MPI-DS), Eberhard Bodenschatz, den Versuchsaufbau. „Unsere Daten zeigen sehr kurze Verweilzeiten und einen schnellen Zerfall für diese Aerosole, unabhängig von der gemessenen Partikelgröße.“ Dies deute darauf hin, dass Baumärkte „sichere Orte sind, solange jeder eine zertifizierte filtrierende Maske trägt“.
Im Verkaufsraum des Baumarktes lag die Abklingzeit der Aerosole laut Forscher bei etwa ein bis zwei Minuten. Um das Infektionsrisiko einer Person zu bestimmen, berechneten sie einen Maximalwert als Obergrenze für die Infektion. Unter der Annahme einer siebentägigen Inzidenzrate von 2.000 Neuinfektionen pro 100.000 Haushalte beträgt das Infektionsrisiko demnach „statistisch gesehen nur etwa 3 Prozent, ähnlich wie bei einer Situation im Freien“. Es sei zu erwarten, dass die Ergebnisse auch auf andere große Innenräume übertragbar sind.
„Die Wissenschaft hat bewiesen, dass wir Recht hatten“
Der Einzelhandel sieht sich durch die Studienergebnisse in seiner Einschätzung bestätigt, die Geschäfte seien keine Infektionstreiber. Dies gilt insbesondere für großflächige Verkaufsräume wie Baumärkte. „Die Branche hat seit Anfang der Pandemie 2020 gezeigt, dass Einkaufen im Baumarkt sehr, sehr sicher möglich ist. Nun hat die Wissenschaft bewiesen, dass wir Recht hatten“, sagt Dr. Peter Wüst, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Heimwerken, Bauen und Garten (BHB), der Studie mitfinanziert hat.
Wüst hofft, dass „die Politik nun endlich diese weltweit einmalige Studie zu Kenntnis nimmt und entsprechend reagiert. Ein breite Freigabe der Einschränkungen erst Ende März ist zu spät. Und diese Studienergebnisse sind auch für die Zukunft, wenn eventuell im Herbst wieder eine kritische Lage entsteht, relevant.“
