Fast 70 Milliarden Euro der Wirtschaftsleistung im Osten stammen von Ausländern. Mittlerweile ist jeder achte Beschäftigte kein deutscher Staatsbürger, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Ohne sie fielen die Folgen des demografischen Wandels noch drastischer aus.
Beschäftigte ohne deutschen Pass erwirtschafteten in den sechs ostdeutschen Bundesländern im Jahr 2025 rund 68,3 Milliarden Euro – mehr als zehn Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung im Osten. Rechnet man indirekte Effekte über Lieferbeziehungen und Konsumausgaben hinzu, sind es über 90 Milliarden Euro oder 14,3 Prozent. Zwei Drittel dieses Beitrags gehen auf Menschen zurück, die erst in den vergangenen zehn Jahren zugewandert sind: Wären heute nur so viele Ausländer im Osten beschäftigt wie 2015, läge ihr Wertschöpfungsbeitrag bei lediglich 23,5 Milliarden Euro.
Die Zahl deutscher Beschäftigter geht im Osten zurück: Zwischen Dezember 2023 und Dezember 2025 sank die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit deutschem Pass um 141.000 oder 2,5 Prozent. Zuwanderer federn das ab – die Zahl der ausländischen Beschäftigten stieg im selben Zeitraum um 90.000. Ihr Anteil an der Beschäftigung kletterte zwischen 2015 und 2025 von knapp fünf auf über 13 Prozent.
„Ostdeutsche Unternehmen können nicht auf ausländische Beschäftigte verzichten“, sagt IW-Experte Wido Geis-Thöne. Umso besorgniserregender sei es, dass ein Teil der Beschäftigten, die diese Lücke schließen, wieder gehen: Seit 2024 wandern vermehrt Menschen in die östlichen EU-Staaten zurück. Rund 7.800 Beschäftigte aus den neuen EU-Mitgliedsländern haben Ostdeutschland verlassen, auch weil sich Wirtschaft und Demografie dort verbessert haben. Das verschärft den Arbeitskräftemangel im Osten. „Um ihren Wohlstand zu halten, muss die Region um Arbeitskräfte aus dem Ausland werben. Sie darf ihnen nicht zugleich signalisieren, dass sie hier nicht willkommen sind.”
