Philip Testroet
IVG-Referent Philip Testroet (Quelle: IVG)

Grüne Fakten

13. April 2022 | Teilen auf:

IVG: Weitere Torfreduzierung kurzfristig schwierig

Der Industrieverband Garten (IVG) hat ein neues Positionspapier zur Torfminderung veröffentlicht. Weitere Fortschritte in naher Zukunft sieht der Verband – anders als VDG und ZVG – aufgrund der derzeitigen wirtschaftlichen und geopolitischen Herausforderungen kritisch.

In einer Selbstverpflichtung hatte die deutsche Substratbranche bereits im Juni 2020 ihre Ziele zur Torfminimierung formuliert. Bis zum Jahr 2025 sollte der branchenweite Anteil von Torfersatzstoffen in Blumenerden auf 50 Prozent und in Profisubstraten auf 20 Prozent erhöht werden. Diese Ziele seien bereits im Jahr 2021 erfüllt worden, teilt der Industrieverband Garten (IVG) mit. „Die bisherigen Erfolge wurden von der Branche unter großen Kraftanstrengungen erreicht“, sagt Referent Philip Testroet. „Eine Zusage zur weiteren Erhöhung der Reduktionsziele kann derzeit allerdings aus mehreren Gründen nicht abgegeben werden.“

Damit positioniert sich der IVG anders als der Zentralverband Gartenbau (ZVG) und der Verband Deutscher Garten-Center (VDG), die sich kürzlich für weitere Schritte zur Torfreduktion ausgesprochen hatten. Demnach soll im Hobbybereich der Torfanteil in Blumenerden bis 2025 auf 30 Prozent, bis 2030 auf 10 Prozent sinken. Wie diese Ziele erreicht werden sollten, sagten ZVG und VDG nicht.

Der IVG hält weitere Fortschritte hinsichtlich Torfreduzierung kurzfristig für nicht erreichbar. Die Gründe: Zum einen stelle die derzeitige unsichere geopolitische Situation die Industrie vor massive Herausforderungen bei der Beschaffung hochwertiger Ausgangsstoffe sowie im Bereich von Logistik, Düngemitteln und Energiekosten. Weitere Hürden stellten die ausbleibenden Änderungen der Rahmenbedingungen im Bereich der Rohstoffnutzung, beim Düngemittelrecht sowie beim Baurecht dar. Innerhalb eines wachsenden Marktes würden zudem die Rohstoffe knapper und neue Rohstoffquellen müssen erschlossen werden. Zudem bedarf es laut IVG bei der Entwicklung von Torfalternativen einer staatlichen Förderung für die Unternehmen in Bezug auf die wirtschaftliche Umsetzung und die Investition in neue Produktionsanlagen.

Testroet: „Eine weitere Steigerung der Quote ist denkbar, wenn wesentliche Voraussetzungen aus der Selbstverpflichtung auch von der Politik umgesetzt worden sind, die Verfügbarkeit anderer Ausgangsstoffe gesteigert und die Akzeptanz für die veränderten Hobbyerden und Kultursubstrate beim Anwender geschaffen wurde.“

zuletzt editiert am 13.04.2022